Der französische Präsident Emmanuel Macron hat am Montag, dem 1. Juni, auf der jährlichen Choose-France-Konferenz im Schloss Versailles eine Rekordsumme von 93 Milliarden Euro an ausländischen Investitionszusagen bekannt gegeben. Diese Zahl übertrifft nicht nur die 20 Milliarden Euro des Vorjahres, sondern auch die insgesamt 87 Milliarden Euro, die in den acht Jahren seit Bestehen des Forums angesammelt wurden. Rund 200 Wirtschaftsführer aus aller Welt nahmen an dem Treffen teil, das seit seiner ersten Auflage im Jahr 2018 mehr als 230 Projekte hervorgebracht hat. Der Staatschef selbst sprach von einer „historischen Rekordausgabe“, die voraussichtlich über 15.000 direkte Arbeitsplätze schaffen werde.
Künstliche Intelligenz als Treiber der Investitionen
Der mit Abstand größte Einzelposten kommt aus Japan: Der Konzern SoftBank wird rund 45 Milliarden Euro in Rechenzentren im Norden Frankreichs investieren, wie Macron während des Events bekanntgab. Der SoftBank-Gründer Masayoshi Son hatte bereits am vorausgehenden Wochenende signalisiert, insgesamt 75 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur ausgeben zu wollen. Davon fließen 45 Milliarden bis 2031 speziell in französische Datenzentren. Son betonte, dass die französische Kernenergie für die Standortwahl entscheidend war, um „Strom als Rohstoff in höherwertige Intelligenz umzuwandeln“ – sogar für den Export. Macron erklärte, diese Projekte würden Frankreich zum „führenden Aufnahmeland für Rechenzentren und Rechenkapazitäten in Europa“ machen und es zu einer Plattform für KI-Roboter und industrielle Anwendungen entwickeln.
Weitere milliardenschwere Zusagen von Brookfield, Ardian und Salesforce
Neben SoftBank sicherten sich auch andere Global Player bedeutende Summen. Die kanadische Vermögensverwaltung Brookfield investiert zehn Milliarden Dollar (rund 8,5 Milliarden Euro) in ein Rechenzentrum in Escaudain im Norden des Landes. Die Investmentfirma Ardian hat gemeinsam mit dem nordischen Datenplattform-Betreiber Verne fünf Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) für einen weiteren Standort in der Region Paris zugesagt. Der US-Konzern Salesforce investiert zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) bis 2030 und errichtet einen KI-Hub in der Hauptstadt. Diese drei Projekte summieren sich auf mehr als 14 Milliarden Euro und untermauern den Fokus der Regierung auf digitale Spitzeninfrastruktur.
Industrielle und logistische Neuansiedlungen
Auch der taiwanesische Elektronikriese Foxconn ist mit dabei: Er investiert 120 Millionen Euro in eine Produktionslinie für KI-Mainboards in Angers im Westen Frankreichs, in Partnerschaft mit dem französischen Supercomputerspezialisten Bull. Amazon, das bereits Anfang des Monats Investitionen von über 15 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren und die Schaffung von 7.000 Arbeitsplätzen angekündigt hatte, stockte um weitere 1.000 Stellen in drei Logistikzentren auf. Macron erwähnte zudem, dass ein Teil der Mittel in Halbleiter, kritische Mineralien, Traktoren, Lastwagen, Stahl und Gesundheit fließen soll. Konkrete Details zu diesen Vorhaben wurden jedoch noch nicht vollständig veröffentlicht.
Kritische Stimmen zur wirtschaftlichen Realität
Trotz des Rekordvolumens bleibt Skepsis angebracht. Der Wirtschaftswissenschaftler Sylvain Bersinger warnte, die Ankündigungen in Versailles dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmensinvestitionen in Frankreich insgesamt gedrückt seien. Die Reindustrialisierung sei eher ein frommer Wunsch als Realität, und das Land sei für ausländische Investoren nicht unbedingt attraktiver als seine Nachbarn. Die Beratungsfirma EY hatte Frankreich zwar bereits zum siebten Mal in Folge als Spitzenreiter bei ausländischen Direktinvestitionen in Europa ausgewiesen, mit 852 Projekten im vergangenen Jahr. Doch in einem international schwierigen Umfeld sank die Zahl der Projekte in 47 europäischen Ländern um 17 Prozent. Macron räumte ein, dass dieser Erfolg „nicht vom Himmel falle“ und das Land weiterhin Anstrengungen unternehmen müsse.
Die französische Industrie leidet besonders in den Sektoren Automobil, Chemie und Metallurgie. Macron selbst hat ehrgeizige Ziele für Künstliche Intelligenz und kündigte bereits 1,55 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen für Quantentechnologien und Halbleiter an. Auf der Choose-France-Konferenz sagte er, die neuen Projekte würden helfen, „den Rückstand bei den Rechenkapazitäten in Europa gegenüber den USA und China zu verringern“. Möglicherweise folgen noch Ankündigungen zu seltenen Erden, doch konkrete Details blieben bislang aus. Das Präsidialamt betonte, dass seit 2018 mehr als 230 Projekte angekündigt wurden, die Tausende Arbeitsplätze versprechen – wie viele davon tatsächlich realisiert wurden, blieb jedoch unklar.
