Der Iran hat am Sonntag Vergeltung für den israelischen Bombenangriff auf Beirut angekündigt und droht mit Angriffen auf US-Militärbasen im gesamten Nahen Osten. Die Erklärung von Mohammad Qalibaf, dem Chefunterhändler Irans und Parlamentspräsidenten, kam nur Stunden nach dem israelischen Luftschlag. Die Regierung in Tel Aviv hatte den Angriff auf ein Vorstadtviertel Beiruts mit der angeblichen Anwesenheit von Hisbollah-Kämpfern gerechtfertigt. Damit ist die erst vor kurzem vereinbarte Waffenruhe im Libanon faktisch beendet. Der Konflikt im Nahen Osten erreicht eine neue Eskalationsstufe.
Die Drohung aus Teheran
Qalibaf schrieb in sozialen Medien, die USA seien nicht an einen Waffenstillstand gebunden und glaubten nicht an Dialog. Er führte eine Seeblockade und Verletzungen von Abkommen über den Libanon als Begründung für die Vergeltungsankündigung an. Die Drohung richtet sich nicht nur gegen israelische, sondern explizit auch gegen amerikanische Ziele. Dies stellt eine direkte Konfrontation mit Washington dar. Die Aussage des ranghohen iranischen Politikers signalisiert eine entschlossene Haltung innerhalb der Machthierarchie des Landes.
Die offene Liste der US-Stützpunkte
Das iranische Regime erklärte die 19 US-Militärbasen im Nahen Osten zu „legitimen Zielen”. Diese Einrichtungen befinden sich unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Oman, Saudi-Arabien, Irak und Ägypten. Auch israelische Vermögenswerte in der Region wurden als mögliche Angriffsziele genannt. Die Aufstellung wurde von der örtlichen Presse in Form einer Karte veröffentlicht. Die genaue geografische Verteilung der Basen macht deutlich, wie weitreichend die Bedrohung ist.
Risse im Bündnis zwischen Washington und Tel Aviv
Der israelische Angriff auf Beirut stellte eine direkte Missachtung der Zusicherung von US-Präsident Donald Trump dar. Trump hatte noch in der vergangenen Woche erklärt, Israel werde den Libanon nicht erneut bombardieren. Nach dem Bruch dieses Versprechens kam es zu einem öffentlichen Wortgefecht zwischen Trump und Premierminister Benjamin Netanyahu. Der amerikanische Präsident bestätigte, er habe Netanyahu wegen der Operationen im Libanon als „völlig verrückt” bezeichnet. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den langjährigen Verbündeten sind selten so offen zutage getreten.
Unterschiedliche Auslegung der Waffenruhe
Pakistan, das als Vermittler fungiert, und der Iran beharren darauf, dass der Libanon unter das Waffenstillstandsabkommen fiel. Die USA und Israel hingegen vertreten die Auffassung, die Waffenruhe habe nur Angriffe auf iranisches Territorium und die Golfstaaten abgedeckt. Diese grundlegende Differenz im Verständnis der Vereinbarung schürt die weitere Instabilität. Trump hatte zuvor mitgeteilt, Israel und die Hisbollah hätten vereinbart, die Kämpfe im Libanon und im Norden Israels einzustellen. Die vom Iran finanzierte Hisbollah führt weiterhin regelmäßig Angriffe auf den Norden Israels durch.
Bewaffnete Konfrontation oder diplomatisches Tauziehen?
Die aktuelle Situation vereint die iranische Drohung gegen US-Basen mit den anhaltenden Kämpfen zwischen Israel und der libanesischen Miliz. Die gebrochene Waffenruhe vertieft die diplomatische und militärische Krise. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die nächsten Schritte Teherans und Tel Avivs mit Sorge. Der Ausgang dieser Konfrontation könnte das Machtgleichgewicht im Nahen Osten neu justieren. Ob es zu einem direkten Angriff auf die amerikanischen Stellungen kommt oder die Drohung rhetorisch bleibt, ist noch offen.
