Der Wunsch nach dem Guten, der Schönheit und der Wahrheit ist im DNA der Menschheit verankert – diese Aussage traf Papst Leão XIV am Sonntag, den 7. Juni, in der Movistar-Arena in Madrid. Der Pontifex äußerte sich im Rahmen seiner Apostolischen Reise nach Spanien vor Vertretern aus Kultur, Kunst, Wirtschaft, Arbeit und Sport. Er stellte die grundlegende Frage, welches Erbe wir den kommenden Generationen hinterlassen und welche Art von Gemeinschaft wir aufbauen. Diese Überlegung prägte die gesamte Veranstaltung mit dem Titel „Netze knüpfen mit der Welt der Kultur, Kunst, Wirtschaft und des Sports“.
Die Seele der Gesellschaft bewahren
Nachdem der Heilige Vater Zeugnisse von Persönlichkeiten aus Universität, Unternehmertum, Arbeitswelt und Sport angehört hatte, würdigte er die enorme Innovationskraft der heutigen Gesellschaft. Gleichzeitig warnte er jedoch vor der Gefahr, den tieferen Sinn dieser Errungenschaften aus den Augen zu verlieren. „Unsere Gesellschaft besitzt eine außergewöhnliche Fähigkeit zu produzieren, zu innovieren und zu kommunizieren; dennoch scheint es, dass wir noch lernen müssen, die Seele desjenigen zu hüten, der sie hervorbringt“, sagte er. Die Kirche wolle einen dauerhaften Dialog mit der Gegenwart führen, gerade weil sie die großen Fragen teile, die die menschliche Erfahrung durchziehen. Der Sinn der Existenz bleibe eine der wesentlichsten Fragen unserer Zeit.
Die Suche nach dem Sinn der Existenz
Der Pontifex machte deutlich, dass der Drang nach dem Guten, der Schönheit und der Wahrheit keine künstliche Erfindung sei, sondern eine tief in der menschlichen Natur verwurzelte Eigenschaft. „Im DNA der Menschheit ist der Wunsch nach dem Guten, der Schönheit und der Wahrheit verankert; und von dieser tief menschlichen Sehnsucht und unserer jahrhundertealten Erfahrung ausgehend schlägt die Kirche Wege für ein würdiges Leben und das Gemeinwohl vor“, erklärte er. Aus dieser Grundlage leitete der Papst ab, dass alle gesellschaftlichen Tätigkeiten – von der Wirtschaft über die Kunst bis hin zu Sport und Bildung – an der Würde der Person ausgerichtet sein müssten. Die Entwicklung dürfe die Schwächsten nicht ausschließen, und die Lage der Armen bleibe ein dringender Appell an das menschliche Gewissen.
Dialog als Flechten eines Netzes
Leão XIV verglich den sozialen Dialog mit der Kunst des Netze-Flechtens, einem Prozess, der Begegnung, Zuhören, Respekt und Zusammenarbeit erfordert. Er betonte die Verantwortung von Kommunikation, Bildung, Wirtschaft, Kunst, Sport und Technologie beim Aufbau einer menschlicheren Gesellschaft. „Jeder Ausdruck spricht, übermittelt; er kann verletzen oder heilen, Erwartungen zerstören oder Horizonte öffnen, Spaltung säen oder die Hoffnung wecken, gemeinsam etwas echt Menschliches zu schaffen“, so der Papst. Wahrer Dialog müsse auf der Anerkennung der Würde jedes Menschen und dem gemeinsamen Einsatz für das Wohl aller gründen. Erneuerte er die Einladung seiner Vorgänger: „Habt keine Angst! Öffnet, stoßt die Türen für Christus weit auf! Jesus Christus nimmt uns nichts und gibt uns alles.“
Der Sport als Schule der Menschlichkeit
In seiner Ansprache widmete sich der Pontifex besonders dem Sport, einem Bereich, den er aus eigener Erfahrung kennt. Er erinnerte an den erzieherischen und sozialen Wert dieser Praxis und betonte, dass wichtige Lektionen des Zusammenlebens oft auf Sportplätzen und in Sporthallen gelernt werden. Diese Erkenntnisse gehen über bloße Worte hinaus:
- Der Respekt vor dem Gegner, der häufig mehr in einem Spiel als durch eine Rede gelernt wird.
- Die Fähigkeit zu verlieren, ohne zu hassen, und zu siegen, ohne zu demütigen.
- Die Widerstandskraft, nach einem Sturz wieder aufzustehen.
Der Heilige Vater hob hervor, dass Athleten mit ihrem Beispiel grundlegende Werte für das gesellschaftliche Leben vermitteln. Diese Lektionen trügen dazu bei, integerere und solidarischere Menschen zu formen.
Ein Aufruf, neue Fäden zu sein
Am Ende seiner Rede wandte sich der Papst direkt an die Anwesenden und lud sie ein, als Gestalter der Zukunft zu wirken. „Ich lade Sie daher ein, neue Fäden zu sein, um neue Netze zu knüpfen, die alle Lebensbereiche harmonisieren, um eine erneuerte Gesellschaft zu weben, in der die Zeit von Ewigkeit durchdrungen wird“, erklärte er. Die Kultur solle die Erinnerung bewahren und den Dialog fördern; die Bildung solle die Suche nach der Wahrheit mit kritischem Geist vorantreiben; die Kunst solle Staunen wecken und edle Emotionen hervorbringen; die Wirtschaft solle die Würde des Menschen anerkennen; und die Arbeit solle weiterhin ein Motor der Hoffnung sein. Abschließend rief Leão XIV dazu auf, Brüderlichkeit, Solidarität und Frieden zu pflegen, damit in künftigen Generationen das erstrahle, was er die „magnifique Menschlichkeit“ eines jeden Menschen und jedes Volkes nannte.
