Der Bitcoin-Kurs ist auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024 gefallen. Am Freitag, den 5. Juni, notierte die Kryptowährung bei rund 61.700 US-Dollar. Im Tagesverlauf war sie zeitweise um 3,9 Prozent auf knapp über 61.000 Dollar eingebrochen. Damit droht der Bitcoin, die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar zu testen. Auslöser der jüngsten Abwärtsbewegung waren überraschend starke Beschäftigungsdaten aus den Vereinigten Staaten.
Arbeitsmarktdaten erschüttern Kryptomarkt
Der Payroll-Bericht für Mai zeigte den Aufbau von 172.000 neuen Stellen. Das war mehr als doppelt so viel wie die Konsensschätzung des Marktes von 80.000 bis 85.000 Stellen. Ein derart robuster Arbeitsmarkt verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed bei ihren nächsten Sitzungen die Zinsen senkt. Für risikoreiche Anlagen wie Kryptowährungen bedeutet dies zusätzlichen Druck. Anleger fürchten, dass die lockere Geldpolitik vorerst ausbleibt.
Ethereum verzeichnet noch stärkeren Einbruch
Die zweitgrößte Kryptowährung der Welt, Ethereum, erlitt einen noch heftigeren Rückschlag. Der Kurs fiel um mehr als acht Prozent auf 1.625 Dollar – den niedrigsten Stand seit April 2025. Im späten Handel erholte sich das digitale Asset leicht auf etwa 1.665 Dollar. Auf Wochensicht verbucht Bitcoin einen Verlust von 15,6 Prozent, Ethereum sogar 17,3 Prozent. Die Anlegerstimmung hat sich damit deutlich eingetrübt.
Kapitalabflüsse und Bärenmarkt-Signale
Bitcoin erlebt derzeit seine längste Verlustserie seit August 2025. Ausgelöst wurde sie am Montag, dem 2. Juni, durch die Strategy, die erstmals seit 2022 eine kleine Menge Bitcoin verkaufte. Seither belasten anhaltende Mittelabflüsse aus US-amerikanischen Bitcoin-ETF den Kurs. Hinzu kommt die wachsende Divergenz zum US-Aktienmarkt, der dank Euphorie um künstliche Intelligenz immer neue Rekorde feiert. Analysten sehen darin ein ernstes Warnsignal für den Kryptosektor.
Analysten warnen vor kritischer Unterstützung bei 60.000 Dollar
„Das Niveau von 60.000 Dollar war im Februar ein starker Support und wurde zuletzt 2024 vor Trumps Wahl gesehen – ein klarer Bruch wäre schädlich“, sagte Caroline Mauron, Mitgründerin von Orbit Markets, gegenüber Bloomberg. Auch Dean Chen von der Brokerfirma Bitunix sieht die Kryptomärkte unter Druck. „Während globales Kapital in KI- und Tech-Aktien fließt, müssen digitale Assets um die Allokation der Investoren kämpfen“, erklärte er. Diese Konkurrenz verschärft die Abwärtsspirale.
Großanleger erhöhen Verkaufsdruck
Die Abwärtsbewegung wird durch Daten aus der Blockchain untermauert. Die täglich realisierten Verluste im Gesamtmarkt stiegen auf 1,3 Milliarden Dollar bei Bitcoin-Kursen um 62.000 Dollar. Langzeithalter waren für rund 770 Millionen Dollar – 59 Prozent der Verkäufe – verantwortlich. Das deutet darauf hin, dass Investoren, die nahe dem Zyklushoch gekauft hatten, nun mit Verlust verkaufen. Auch die Aktivität der sogenannten Wale, also Großanleger, hat sich drastisch erhöht.
Die Einzahlungen von Bitcoin auf der Börse Binance haben sich im Laufe der Woche verdoppelt. Am 2. Juni wurden rund 8.200 BTC auf die Plattform transferiert, am 4. Juni über 6.400 BTC – bei einem monatlichen Durchschnitt von 1.200 BTC seit Mitte April. Solche Bewegungen gelten als Indikator für bevorstehende Verkäufe, da Anleger die Coins vor dem Handel auf die Börse verschieben. Die Vault Capital weist jedoch darauf hin, dass ähnlich hohe Einzahlungen im Februar einen lokalen Tiefpunkt markierten, bevor eine Erholung einsetzte. Der Druck könnte also auch eine Übertreibung darstellen.
Technische Marken und Fed-Sitzung im Fokus
Aus technischer Sicht bleibt das Niveau von 60.000 Dollar der entscheidende Punkt. Ein Schlusskurs darunter würde den Weg für weitere Verluste in Richtung der Spanne zwischen 55.000 und 58.000 Dollar ebnen, so Marco Aurélio de Camargos, CIO der Vaul Capital. Eine Erholung über 65.000 Dollar zum Wochenende wäre hingegen das erste Stabilisierungssignal. Die technische Analyse des Portals InfoMoney stützt diese Einschätzung und bezeichnet das Szenario als „überwiegend bärisch“. Der Markt wartet zudem auf die Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni – die erste unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Der starke Arbeitsmarktbericht verringert die Chance auf eine Zinssenkung, doch der Ton der Kommunikation wird entscheidend für die Risikobereitschaft in den Folgewochen sein.
