Derzeit durchbricht das Experimentalflugzeug X-59 der NASA erstmals die Schallmauer – ein historischer Meilenstein für die Mission Quesst, die leise Überschallflüge ermöglichen soll. Am 5. Juni 2026 erreichte die Maschine auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien Mach 1,077 und eine Höhe von 43.400 Fuß. Der 81-minütige Flug unter dem Kommando des NASA-Testpiloten Jim „Clue“ Less markiert den Beginn einer Kampagne, die die Grenzen der kommerziellen Luftfahrt neu definieren könnte. Dies ist der erste Schritt, um das seit 1973 geltende Verbot von Überschallflügen über Land zu kippen.
Flugdetails und unmittelbare Ziele
Der Flug am 5. Juni war nicht der erste des X-59 – der Jungfernflug hatte bereits am 28. Oktober 2025 stattgefunden. Doch diesmal überschritt die Maschine erstmals die Schallgeschwindigkeit und erreichte rund Mach 1,1. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 713 Meilen pro Stunde (1.147 km/h), die Höhe bei 13.228 Metern. Michael Kratsios, wissenschaftlicher Berater des US-Präsidenten, erklärte in einer Mitteilung, dass dieser Erfolg die amerikanische Führungsrolle in der Luft- und Raumfahrtinnovation unterstreiche. Das Team plant bereits den nächsten Flug, der Mach 1,4 und 55.000 Fuß erreichen soll.
Datensammlung über bewohnten Gebieten
Die Quesst-Mission zielt darauf ab, den traditionellen Überschallknall durch einen leiseren „Thump“ zu ersetzen. Dazu wird der X-59 verschiedene Gemeinden in den USA überfliegen und die menschliche Wahrnehmung des erzeugten Lärms messen. Die gesammelten Daten werden mit Regulierungsbehörden in den USA und anderen Ländern geteilt. Die Hoffnung ist, dass diese realen Messungen die Grundlage für neue Lärmstandards bilden können. Dies ist entscheidend, denn seit 1973 verbietet die FAA Überschallflüge über Land aufgrund der Erschütterungen durch die Schallmauerdurchbrüche.
Rasantes Testtempo und aerodynamisches Design
Der X-59, gebaut von Lockheed Martin Skunk Works, ist das zentrale Element des Quesst-Programms. NASA-Administrator Jared Isaacman gab bekannt, dass die Maschine in den letzten 90 Tagen 16 Flüge absolviert hat – ein hohes Tempo, das die Ernsthaftigkeit des Projekts zeigt. Isaacman dankte den beteiligten Teams und betonte, dass er dies als erste von vielen Kooperationen im Bereich experimenteller Flugzeuge der NASA sehe. Die extrem lange und schmale Nase des X-59 ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung in der Überschall-Aerodynamik. Sie wurde speziell entwickelt, um Schockwellen zu minimieren und den akustischen Aufprall im Vergleich zu früheren Überschallflugzeugen zu reduzieren.
Nächster Schritt: Höhere Geschwindigkeiten
Testpilot Jim „Clue“ Less, ein erfahrener NASA-Testpilot, steuerte die Maschine während des historischen Flugs. Ein externes Sichtsystem zeichnete den genauen Moment des Überschreitens der Schallmauer auf und zeigte Mach 1,077 an. Die NASA hat noch keine Details zur subjektiven Wahrnehmung der Besatzung während des Manövers veröffentlicht, aber die Flugdaten werden nun analysiert, um die nächsten Tests zu kalibrieren. Die Agentur plant, bald mit der Kampagne von Überflügen über Gemeinden zu beginnen, sobald die laufende Testphase abgeschlossen ist. Der nächste Flug soll Mach 1,4 erreichen, um die Leistungsfähigkeit weiter zu erproben.
Die Fortschritte des X-59 fallen in einen Kontext jahrzehntelanger Einschränkungen für Überschallflüge über Land. Seitdem die FAA das Verbot 1973 erließ, konnte kein ziviles Flugzeug legal über bewohnten Gebieten schneller als der Schall fliegen. Wenn die NASA mit harten Daten belegen kann, dass der „Thump“ des X-59 für die Bevölkerung akzeptabel ist, könnten die Regulierungsbehörden die Restriktionen überdenken. Das wäre eine Revolution für die Luftfahrt, da es die Reisezeiten drastisch verkürzen würde. Derzeit liegt die Priorität jedoch auf der Sammlung robuster und verlässlicher Daten aus den bevorstehenden Überflügen.
